Experte kommentiert Koalitionspläne: Guter Gedanke, schlecht umgesetzt

Kundenservice
vom 12.11.2013, Kategorie: Immobilienmakler, 175 mal gelesen , letzte Aktualisierung am 13.07.2016
Wie ein Immobilienmakler die Verschiebung der Courtage von Mieter auf Vermieter beurteilt

Möchte ein Vermieter seine Wohnung vermieten und dafür einen Makler beauftragen, soll er diesen künftig ausschließlich selbst bezahlen. So wird es vermutlich im künftigen Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU/CSU stehen. Viele Mieter, vor allem diejenigen, die häufig umziehen müssen, klatschen Beifall. Doch Vorsicht: Das eigentliche Problem ist damit nicht gelöst - meint Martin Holzner, Immobilienmakler und Verkaufsleiter von KPC Immobilien.

Als eine große Ungerechtigkeit mutete lange Jahre die Regelung an, dass der Vermieter einem Makler seine Wohnung anbieten konnte, beim Vertragsabschluss aber der Mieter die Vermittlungsprovision zahlen musste. Vor allem in großen Ballungsgebieten richtete sich der Ärger regelmäßig gegen Makler, die für einen schlecht organisierten Sammeltermin horrende Courtagen abknöpften. Klar, dass viele denken, die Pläne der (vermutlich) neuen Koalition aus SPD und CDU/CSU sind vernünftig, endlich denjenigen zahlen zu lassen, der die Dienstleistung eigentlich beauftragt - den Vermieter. Zudem sieht das Paket vor, eine stärkere Mietpreisbremse einzuführen. Das klingt tatsächlich danach, dass die durch hohe Mietpreise ohnehin schon stark gebeutelten Mieter endlich entlastet werden. Unser Interviewpartner Martin Holzner, Immobilienmakler und Verkaufsleiter der KPC Immobilien, widerspricht: Es sei ein guter Gedanke, aber schlecht umgesetzt. Außerdem löse es das Problem nicht.

Exklusivsuche.de (EXS): "Herr Holzner, für die Tätigkeit als Wohnungsmakler sollen Sie künftig vom Vermieter bezahlt werden. Wie finden Sie das?"

Martin Holzner (MH): "Unsere Firma trifft diese Änderungen wohl nicht spürbar, weil Vermieter unsere mit hohem Aufwand und Kosten verbundene Dienstleistung zu schätzen wissen, das sog. 'Bestellerprinzip' wird daran nichts ändern. Nachdem die Koalitionspläne veröffentlicht wurden, habe ich aber mit ein paar Kollegen gesprochen. Keiner glaubt, dass es den erhofften Effekt bringt, nämlich dass Wohnungen dadurch bezahlbarer beziehungsweise die Mieter dadurch finanziell entlastet werden."

EXS: "Viele Mieter applaudieren, vor allem diejenigen, die schon viel Geld für Makler ausgegeben haben, nur weil sie eine Wohnung mieten wollten. Können Sie den Jubel ein bisschen verstehen?"

MH: "Ja, sicherlich. Ich kenne es zwar nicht aus eigener Erfahrung, aber vor allem diese Sammeltermine müssen wirklich absolut unzumutbar für Mietsuchende sein, die darauf hoffen müssen, diese schlechte Veranstaltung dann auch noch bezahlen zu 'dürfen'."

EXS: "Wie wird die Verschiebung der Provisionszahlung den Markt verändern?"

MH: "Nun, ich denke schon, dass Vermieter Wege finden werden, sich die Provision indirekt wiederzuholen. Beispielsweise könnten Vermieter für vorhandenes Inventar, z.B. eine Einbauküche o.ä. eine Abstandszahlung verlangen, die die Provisionszahlung kompensieren würde. Das heißt: Die Provision könnte letztlich doch wieder auf den Mieter umgelegt werden. Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr, dass Mieter durch die vermeintliche Entlastung 'großzügiger' werden und ihre Angebote zur Schwarzzahlung erhöhen. Hier wären wiederum Kontrollen durch die führenden Fachverbände IVD und BFVI angezeigt. Kurz: Die Verschiebung der Provisionszahlung löst eben nicht das ursächliche Problem."

EXS: "Und das wäre?"

MH: "Wir benötigen - gerade in den begehrten Ballungsräumen - mehr Wohnraum! Und mit dieser Regelung schaffen wir eher das Gegenteil."

EXS: "Warum?"

MH: "Schauen Sie, prinzipiell gibt es in den Großstädten viel zu wenige Wohnungen. Die Städte sind auf private Investoren, wie Sie und mich, angewiesen, die als Kapitalanlage eine Wohnung erwerben und dann vermieten. Und durch die Kombination aus zusätzlicher Provisionszahlung an den Makler und gleichzeitiger Mietpreisbremse ist eine Wohnung als Kapitalanlage einfach immer weniger lukrativ."

EXS: "Was schwebt Ihnen für eine Lösung vor?"

MH: "Nun, zumindest hätte ich es besser gefunden, wenn man die Provision künftig geteilt hätte: Die eine Hälfte zahlt der Vermieter, die andere der Mieter. Das entspricht eher meiner Berufsauffassung eines neutralen Vermittlers. Zugegeben: Auch diese Verteilung würde das Problem nicht grundsätzlich lösen."

EXS: "Dann doch ein Maklermodell á la USA, wo ein Makler in den meisten Gegenden zwingend vorgeschrieben ist?"

MH: "Ja, durchaus nehmen die USA hierbei eine Vorreiterrolle ein. Um ein solches Modell aber in Deutschland realisieren zu können, müsste man unsere Branche von Grund auf erneuern: Denn in den USA bringt die zwingend vorgeschriebene Makler-Beauftragung mit sich, dass Makler sehr viel höhere Auflagen haben und sehr viel schneller in Regress genommen werden dürfen als hierzulande. Das hieße für uns, man müsste bei uns auch zwingend eine qualitativ hochwertige Ausbildung vorschreiben, was meiner Meinung nach überfällig ist und von vielen Kollegen auch bereits seit Jahrzehnten gefordert wird."

EXS: "Ihr Fazit also zu den Plänen der Koalition lautet...?"

MH: "Mein Fazit heißt: Es ist ein guter Gedanke, aber leider schlecht umgesetzt. Ich hoffe zumindest darauf, dass sich dadurch unsere Branche weiter reinigt und wir Berufsmakler uns durchsetzen werden, wir, die jeden unserer Aufträge ernst nehmen und sehr gute, hochqualitative Arbeit leisten, für die uns unsere Auftraggeber gerne bezahlen."

EXS: "Herr Holzner, wir danken für dieses Gespräch."

 

Autor: Redaktion exklusivsuche.de
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