Welche Anlagestrategie führt tatsächlich zu Glück und Zufriedenheit?

Roman Enders | Vermögensmanagement & Life Planning München | Roman Enders
vom 13.09.2019, Kategorie: Coaching & Berater, 33 mal gelesen , letzte Aktualisierung am 14.10.2019
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Sind Sie als Anleger glücklich? Zwei Variablen bestimmen, ob Ihnen Ihre Anlagestrategie tatsächlich Glück & Zufriedenheit beschert. Lernen Sie außerdem den "Glücksalgorithmus" von Mo Gawdat kennen, Chief Business Officer von Google und erfolgreicher Unternehmer.

Was braucht ein Anleger zum Glücklichsein?

Zum einen gilt es, das Renditepotenzial realistisch einzuschätzen, zum anderen müssen Marktereignisse in den richtigen Kontext gesetzt werden. Diese beiden Faktoren können darüber entscheiden, ob Sie mit Ihrer finanziellen Situation zufrieden sind und die Weichen für Ihren finanziellen Erfolg legen.

Dass Geld nicht alles im Leben ist, ist mehr als nur ein Klischee. Anfang der siebziger Jahre wurde in Studien festgestellt, dass die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verzeichnete Einkommensverbesserung nicht zwangsläufig zu mehr Zufriedenheit geführt hat. So wies der Forscher Richard Easterlin in seiner Studie von 1974 nach, dass die Zufriedenheit der Menschen in den Industrieländern trotz des in den letzten 50 Jahren verzeichneten enormen Wirtschaftswachstums nicht in dem Maße gestiegen ist, wie das Einkommen.

Dieser Trend ist ungebrochen, zumal in der heutigen Zeit noch schwerer zu greifen ist, was Glück und finanzielle Sicherheit überhaupt ausmacht. In den neunziger Jahren beschäftigte sich die Positive Psychologie mit der Frage, was Menschen antreibt und voranbringt. Hieran knüpft die sogenannte Glücksliteratur an, bei der versucht wird, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und alten Lebensweisheiten, Lösungen für die heutige Zeit abzuleiten. Laut einem Artikel von Tal Ben-Shahar in der New York Times stehen bei Studenten in Harvard und Yale Vorlesungen zur Glücksforschung inzwischen ganz oben auf der Beliebtheitsskala.

Auch Geschäftsleute und Unternehmer widmen sich heute intensiv einigen dieser uralten Fragen. In seinem Buch „Die Formel für Glück: Und wie Sie diese nutzen“ stellt Mo Gawdat, erfolgreicher Unternehmer und Chief Business Officer von Google X, eine Gleichung für dauerhaftes Glücklichsein auf:

Das Glück ist gleich oder grösser als das, was du erlebst - minus dem, was du vom leben erwartest.

Diesem Glücksalgorithmus von Gawdat zufolge, ist man dann glücklich (oder zumindest nicht unglücklich), wenn das, was passiert, den eigenen Erwartungen entspricht oder diese sogar übertrifft.

Jeder Anleger, der sein Vermögen steigern und finanzielle Zufriedenheit erreichen will, sollte sich dies zu Herzen nehmen. Viele für die Portfolioentwicklung entscheidende Aspekte liegen außerhalb unserer Kontrolle, doch in der Gleichung spielen die Ereignisse selbst keine Rolle. Erfreulicherweise können wir die zwei Variablen, die unser Glück bestimmen, in gewisser Weise beeinflussen — nämlich die Wahrnehmung der Ereignisse und unsere Erwartungen.

Erwartungen

Wenden wir uns zunächst einigen grundlegenden Aspekten zu Erwartungen an den Finanzmärkten zu.

1. Aktien haben höhere erwartete Renditen als weniger riskante Anlagen wie beispielsweise Staatsanleihen.

Es ist allseits bekannt dass Aktien risikoträchtiger sind und dies sollte sich auch in den Preisen widerspiegeln. Zum Ausgleich werden Anleger, die bereit sind, dieses Risiko zu tragen, mit einer höheren erwarteten Rendite belohnt. Diese höhere erwartete Rendite für Aktien wird als Aktienprämie bezeichnet und bewegt sich am US-amerikanischen Markt historisch betrachtet in einer Größenordnung von 8% jährlich.

2. Nicht alle Aktien haben dieselbe erwartete Rendite.

Der Preis einer Ware oder Dienstleistung wird durch Marktkräfte bestimmt. Dabei spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle, angefangen bei den Kosten für Rohstoffe und Arbeitskräfte über Transport- und Marketingkosten bis hin zu Wettbewerb und Wertigkeit. Für eine fundierte Kaufentscheidung müssen Verbraucher nicht unbedingt all diese Faktoren kennen. Es reicht, den Preis mit Alternativangeboten am Markt zu vergleichen und sich zu fragen, ob das Produkt seinen Preis wert ist. Je weniger Sie bezahlen oder je mehr Sie in qualitativer oder quantitativer Hinsicht für Ihr eingesetztes Geld bekommen, desto lohnenswerter ist der Kauf.

Bei Aktien ist es nicht anders, der Preis wird auch hier durch eine Vielzahl an Faktoren bestimmt. Erwartungen zu künftigen Gewinnen, verschiedene Risikoarten und Anlegerpräferenzen sind nur einige Beispiele. Doch es bedarf keines Modells, um all diese Faktoren und deren Einfluss auf die Preisentwicklung zu hinterfragen. Alle verfügbaren Informationen sind in der Regel bereits in den Preis eingeflossen, sodass sich daraus auch Rückschlüsse zu der erwarteten Rendite ableiten lassen. Ganz gleich ob Verbraucher oder Anleger, jeder möchte möglichst wenig bezahlen und möglichst viel für sein Geld bekommen.

Die erwartete Rendite ergibt sich somit aus dem Preis, den Sie zahlen, und den Zahlungsströmen, die Sie im Gegenzug erwarten. Kleinere und profitablere Unternehmen, die zu niedrigen relativen Preisen gehandelt werden, versprechen eine höhere erwartete Rendite als größere und weniger profitablere Unternehmen, die zu höheren relativen Preisen gehandelt werden. Aus diesem Konzept lassen sich Unternehmensgröße-, Value- und Profitabilitätsprämien ableiten. In der Vergangenheit bewegten sich diese in den entwickelten Märkten in einer Spanne von gut über 3,5% bis knapp über 5%.

3. Erwartete Prämien sind zwar immer positiv, aber keineswegs sicher.

Die erwarteten Prämien sind immer positiv, doch die tatsächlichen Prämien können in einem Jahr positiv, in anderen negativ ausfallen. Es kann sogar vorkommen, dass negative Prämien mehrere Jahre hintereinander verzeichnet werden.

Je größer der Anlagehorizont, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer positiven Prämie. Allerdings besteht hierfür keinerlei Gewähr, da es jederzeit zu einer unterdurchschnittlichen Wertentwicklung kommen kann. So vertritt der Nobelpreisträger Paul Samuelson die These, dass an wettbewerbsorientierten Märkten jedem Verkäufer auch ein Käufer gegenübersteht und falls es die Gewissheit darüber gäbe, dass ein Preis steigt, dies bereits passiert wäre.

Subjektive Wahrnehmung

Der andere Teil der Gleichung dreht sich um die subjektive Wahrnehmung eines Ereignisses.

Nehmen wir zum Beispiel ein Ereignis wie eine negative Prämie über einen Zeitraum von zehn Jahren – welcher für einige Anleger als langfristig angesehen wird. Zum Beispiel war die Value Prämie in den Vereinigten Staaten in den vergangenen 10 Jahren tatsächlich negativ, und die Aktien- und Unternehmensgröße Prämien lagen im Zehnjahreszeitraum bis 2009 bzw. 1999 im negativen Bereich.

Längere Phasen mit unterdurchschnittlicher Wertentwicklung sind für jeden Anleger enttäuschend, liegt es doch auf der Hand, dass höhere und?nicht niedrigere Renditen angestrebt werden. Aus Enttäuschung wird indes nicht Wut oder Bedauern, wenn Sie sich von Anfang an vor Augen halten, dass solche Phasen normal sind und sich nicht vorhersehen lassen.

Eine alte Weisheit besagt, dass es wichtig ist, Dinge so zu nehmen, wie sie sind, da aus Widerstand oft Angst entsteht. Anstatt Phasen mit unterdurchschnittlicher Wertentwicklung verbissen aus dem Weg zu gehen und so eventuell mit einem gut durchdachten Anlageplan zu brechen, sollten Sie sich auf das Ergebnis konzentrieren. Dabei gilt es zu akzeptieren, dass auch dann keine Garantie für nachhaltige positive Prämien besteht, wenn diese selbst für einen Zeitraum von zehn oder mehr Jahren als absolut sicher angesehen werden. Warum ist das so? Weil in einem gut funktionierenden Finanzmarkt der Wettbewerb dafür sorgt, dass sich das Niveau der erwarteten Renditen dem anderer Anlagen mit niedrigerem Risiko annähert. Risiko und Rendite stehen immer in engem Zusammenhang zueinander.

Die gute Nachricht ist, dass es vernünftige und empirisch belegte Wege gibt, die erwarteten Renditen zu steigern. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass Phasen unterdurchschnittlicher Wertentwicklung hierbei unvermeidbar sind.

Wie zufrieden Sie als Anleger sind, hängt davon ab, wie Sie Ereignisse wahrnehmen und in welcher Relation diese zu Ihren Erwartungen stehen. Angemessene Erwartungen und eine angemessene Wahrnehmung helfen dabei, auf Kurs zu bleiben, und können die finanzielle Lage und Zufriedenheit positiv beeinflussen.

Autor: Roman Enders, Freymund & Cie. Vermögensmanagement
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